Erst sind wir einfach eine Frau und ein Mann.
Eine stinknormale Frau mit ihrem Leben, ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen.
Ein stinknormaler Mann mit seiner Geschichte und seinem Leben.
Und aus diesen beiden entsteht ein Kind.
Die Mutter trägt dieses Kind neun Monate unter ihrem Herzen. Nicht symbolisch, sondern ganz real. Rein biologisch, faktisch und unverhandelbar entsteht zwischen Mutter und Kind von Beginn an eine andere Verbindung als zwischen Vater und Kind.
Eine Mutter spürt ihr Kind instinktiv. Ihr Körper weiss Dinge, die man nicht erklären kann. Nicht, weil Väter weniger lieben, sondern weil Schwangerschaft, Geburt und Hormone etwas mit einer Frau machen, das man nicht „nachfühlen“ kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und genau deshalb beginnt hier eine der wichtigsten Aufgaben des Vaters.
Die Zeit nach der Geburt ist heilig!!! Nach der Geburt durchlebt eine Frau eine komplette hormonelle Umstellung. Nicht ein bisschen, nicht „das wird schon wieder“, sondern eine massive Veränderung – körperlich, emotional und mental.
Während der Schwangerschaft übernimmt der Körper der Frau automatisch alles, was das Kind braucht. Er sorgt dafür, dass das Baby Nahrung, Wärme und Schutz bekommt. Und dann, von einem Moment auf den anderen, ist das Kind draussen.
Diese Trennung ist gewaltig. Gleichzeitig liegt plötzlich die komplette Verantwortung nicht mehr beim Körper, sondern bei der Frau selbst. Von heute auf morgen. Das überfordert viele Mütter. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie gerade etwas Unfassbares leisten. Eine Frau muss erst wieder lernen, wer sie ist, ohne ein Kind im Bauch. Und nein: nur weil das Kind nicht mehr in ihr drin ist, heisst das nicht, dass sie wieder „wie vorher“ ist. Diese ersten Wochen nach der Geburt sind nicht dafür da, dass eine Frau sofort wieder in ihre alte Rolle zurückkehrt. Sie sind dafür da, dass sie ankommt, dass sie gehalten wird und dass sie sich sicher fühlen kann.
Was eine Mutter wirklich braucht
Eine Frau braucht Ruhe, Geborgenheit, Trost, Halt und Sicherheit. Und vor allem braucht sie, dass niemand Erwartungen an sie stellt.
Es darf keine Erwartungen an den Haushalt geben, keine Erwartungen an ihre Leistungsfähigkeit und auch keine Erwartungen an ihre Sexualität.
Ich höre viel zu oft genau die Geschichten, dass Frauen kurz nach der Geburt wieder funktionieren sollen, Putzen, Kochen, sich kümmern, vielleicht noch weitere Kinder versorgen und bitte auch wieder Lust auf Sex haben. Das ist absurd, und gleichzeitig traurige Realität.
Die Mutter ist die Welt des Babys!!
Ein Baby sieht seine Mutter nicht als „eine Person“. Die Mutter ist die ganze Welt. Sie ist die Nahrung, sie ist der Schutz, sie ist das Sicherheitsnetz, das das Baby braucht, um sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden.
Wenn eine Mutter unter Druck steht, wenn sie Erwartungen erfüllen soll, wenn sie sich rechtfertigen muss, dann gerät die Welt des Babys ins Wanken. Jede Minute, in der eine Mutter Kraft dafür aufwenden muss, sich zu erklären oder stark zu sein, fehlt genau dort, wo sie gebraucht wird – in der Bindung zu ihrem Kind.
Liebe Väter – das ist eure Rolle
Ich kann euch sogar verstehen. Euch hat niemand erklärt, was mit einer Frau nach der Geburt wirklich passiert. Euer Hormonhaushalt ist einfacher, wie sollt ihr da durchblicken, wenn ihr es nie gelernt habt?
Von aussen sieht es oft so aus: „Jetzt ist das Kind da, sie kann zuhause sein – das sollte doch das Schönste überhaupt sein.“
Aber ich sage euch ganz ehrlich: Es ist wunderschön und brutal gleichzeitig.
Und genau hier kommt eure Aufgabe ins Spiel. Ihr müsst nicht Mütter sein. Wenn ihr es versucht, werdet ihr zwangsläufig schlechte Mütter. Aber ihr könnt grossartige Väter sein.
Ihr müsst dafür sorgen, dass die Frau, die euer Kind geboren hat, sich fallen lassen kann. Ihr müsst für äussere Sicherheit sorgen, Schutz bieten, Stabilität schaffen und den Raum halten. Ihr müsst Erwartungen fernhalten und eure Frau feiern, denn sie hat Leben geboren.
Wenn ihr das tut, kann eure Frau sich um sich selbst kümmern. Sie kann ihren Körper regulieren, sie kann ihr Kind mit Ruhe und Entspannung nähren, und sie kann eurem Baby vermitteln, dass es willkommen ist, dass es sicher ist und dass es getragen wird.
Das Fundament fürs Leben!!
Ein Baby, das eine entspannte Mutter erlebt und einen präsenten, schützenden Vater hat, startet mit paradiesischen Erfahrungen ins Leben. Es erfährt Urvertrauen, Sicherheit und Bindung.
Ein besseres Fundament kann man einem Kind nicht schenken.
Und all das beginnt nicht mit Perfektion, sondern mit Verständnis, mit Schutz und mit dem Mut, Erwartungen loszulassen.
